Haushaltsrede 2002-12-16 F.D.P. Fraktion
Haushaltsplan 2003
www.fdp-badsoden-salmuenster.de
Herr Stadtverordnetenvorsteher,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,
auch wenn wir Zahlen schon mehrfach gehört haben, möchte ich einige
wenige doch nochmals ins Gedächtnis rufen.
2,3 Millionen Euro Fehlbetrag, davon 500.000 Euro aus 2000 und
voraussichtlich 1,8 Millionen Euro aus 2003, damit beschäftigen wir uns.
Bei einem Verwaltungshaushalt mit einem Einnahmevolumen von ca.
15,5 Millionen Euro müssen Stadt und Kurbetrieb einen Schuldenberg
von 22,4 Millionen Euro schultern.
Dies bedeutet einen regulären, jährlichen Schuldendienst für Stadt,
Kurklinik am Park und Kurbetrieb von 2,6 Millionen Euro und eine
jährliche Liquiditätshilfe für den Kurbetrieb von 500.000 Euro.
Dies entspricht in etwa der Höhe der gesamten Personalausgaben!
Jeder liest in der Zeitung, hört im Radio oder sieht im Fernsehen, wie
schlimm ein Haushaltsdefizit von knapp 4% beim Bund ist. Die
verschiedenartigsten Vorschläge zur Zurücknahme des Staates werden
diskutiert. Unsere Stadt Bad Soden-Salmünster liegt beim Defizit mehr
als dreimal so hoch!
Man könnte auch sagen, die sehr guten Konsolidierungserfolge der
Jahre 2001 und 2002 verfrühstücken wir voraussichtlich 2003.
Unser Bürgermeister hat in seiner Rede zur Einbringung des Haushalts
2003 die Einmaligkeit dieses Fehlbetrags betont, wir müssen der
Ehrlichkeit halber aber auch hinzufügen, die hohe Schulden- bzw.
Fehlbetragstilgung der Vorjahre beruhte zu großen Teilen ebenso auf
Einmaleffekten: Zum einen eine hohe Gewerbesteuernachzahlung, zum
anderen die Abrechnung mit der Bundesbahn für lange zurückliegende
Baumaßnahmen.
Die einmalige Höhe des Fehlbetrags wird mit 2 Annahmen begründet:
1.) 2003 kommt endlich die lange erwartete Gemeindefinanzreform
mit verlässlich höheren und stetigeren Einnahmen für die
Kommunen! Sie gestatten mir leise Zweifel. Wer glaubt ernsthaft
daran, Land und/oder Bund würden eigene Einnahmen zu
Gunsten der Kommunen abgeben?
2.) Die wirtschaftliche Entwicklung wird besser und schlägt sich damit
in höheren Steuereinnahmen nieder!
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Auch hier ein Wermutstropfen: bis jetzt sagt kein Wirtschaftswissenschaftliches
Forschungsinstitut ein deutlich höheres
Wachstum 2003 voraus!
Außerdem sind wir bei den Gewerbesteuereinnahmen extrem
abhängig vom Wohlergehen der Automobilbranche.
Kolleginnen und Kollegen,
alle Parteien haben in ihren Programmen zur Kommunalwahl 2001 als
Ziel formuliert: Wir wollen einen ausgeglichenen Haushalt, wir können
uns nicht weiter zu Lasten der Jugend verschulden.
Im Dezember 2002 müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Folgen
einer verfehlten Haushaltspolitik bis 1999 ein so enges Korsett schnüren,
dass jede etwas stärkere Verminderung der Einnahmen(Gewerbesteuer,
Schlüsselzuweisung) und/oder der Ausgaben sofort und unausweichlich
einen Fehlbetrag nach sich ziehen!
Unsere Reserven sind aufgebraucht.
Trotzdem bemühen wir uns, jene für die heimische Wirtschaft so
wichtigen Investitionen in Straßenbau und Wasser-Versorgung und
-Entsorgung auf einer gleichmäßigen Höhe zu halten.
Bedenken wir auch eines: Ein Hochwasser kann wieder auftreten, der
Kurbetrieb benötigt sicherlich zunächst Mittel, um den Investitionsstau
abzutragen und eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Ich glaube, wir
sind alle auf die Zahlen und Perspektiven gespannt, die uns die Wibera
hoffentlich bald vorlegt!
Sicherlich noch wichtiger für die Zukunft, insbesondere des Stadtteils
Bad Soden, ist die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm.
Diese Chance einer Zukunftsentwicklung ist einmalig, wir sollten sie alle
gemeinsam nutzen. Auch hier ist der städtische Haushalt mit einem
Drittel beteiligt. Die erforderlichen Mittel müssen bereit gestellt werden.
Die „Koalition“ hat sich festgelegt: Sollte 2003 keine deutliche
Verbesserung der Einnahmen erkennbar werden, kommt die Haushalts-
Strukturreform. Der Haushaltsplan 2004 wird keinen deutlichen
Fehlbetrag mehr ausweisen, Einnahmen und Ausgaben bringen wir ins
Lot!
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Ich will es deutlich und offen formulieren: Ausgabenkürzung heißt
zugleich auch Leistungskürzung. Einnahmeerhöhung bedeutet Ausgleich
der Gebührenhaushalte, wobei die Kindergärten sicherlich als letztes auf
den Prüfstand gestellt werden sollten. Erst werden alle anderen
Möglichkeiten ausgeschöpft.
Haushaltsstrukturreform heißt für die F.D.P. aber nicht nur Verbesserung
der Einnahmen und Verminderung der Ausgaben.
Strukturreform fängt bei der Darstellung des Haushalts und Erarbeitung
der Zahlen an. Erste, deutliche Schritte sind im Haushaltsplan 2003
sichtbar: Aufteilung der Kosten des Bauhofs danach, wofür sie anfallen,
einstellen von Abschreibungen und Verzinsung des Eigenkapitals.
Unserer Meinung nach sollte als weiterer Schritt folgen: Abkehr von der
gewohnten Übung, zunächst die vermeintlich oder wirklich notwendigen
Ausgaben ermitteln, zusammen addieren und dann feststellen, ob die
Einnahmen reichen oder nicht reichen.
Wir sollten den Weg umkehren: Zunächst die Einnahmen vorsichtig
gerechnet ermitteln und dann bei den von uns gestaltbaren Ausgaben
festlegen, welche davon getätigt werden können.
So kann auch das Stadtparlament besser eingebunden werden und
wirklich seine Haushaltsaufgaben wahrnehmen. Ziel ist: die Stadt kann in
ihrer Haushaltsabwicklung auf veränderte Einnahmen oder Ausgaben
reagieren. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf den Antrag
der C.D.U.
Wir müssen darauf achten, dass den Bürgerinnen und Bürgern unserer
Stadt deutlich wird: die Stadtverwaltung geht mit gutem Beispiel voran.
Kostensenkung und Effizienzsteigerung von Verwaltung und Bauhof sind
erste „Rathauspflicht“. Wir wollen nicht den bequemen Weg gehen- wie
es die Bundesregierung tut- und einfach Steuern und Gebühren
erhöhen.
Nur dann können wir vermitteln, dass die Eigeninitiative und Mithilfe
unserer Mitbürger angesichts leerer öffentlicher Kassen stärker
eingefordert werden muss. Das Rufen nach der Stadt bringt uns nicht
vorwärts.
In Anlehnung an den Spruch von Abraham Lincoln: Frage dich nicht, was
die Stadt für dich tun kann, frage dich, was du für unsere Stadt tun
kannst!
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Verehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wir alle haben das Ziel, unsere Stadt Bad Soden-Salmünster auch in
Zukunft liebens- und lebenswert zu gestalten. Dafür wurden wir gewählt.
In diesem Sinne: es gibt viel zu tun, packen wir es gemeinsam an.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten
Rutsch ins Jahr 2003.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld beim Zuhören.